Chronik des Kleinen Theaters

1974_richtig_00.jpg05. September 1973 Gründung als Laienspielgruppe der VHS Kreis Köln, in Eigenproduktion entstehen 5 satirische Szenen nach Ephraim Kishon.

Ein Großteil der Gruppe beschließt 1974, mit professioneller Hilfe weiterzumachen; es kommt zur Zusammenarbeit mit dem Pantomimen Milan Sladek und dem Regisseur Günter Hefft. Als erste abendfüllende Produktion des jungen Ensembles, das sich mittlerweile Kleines Theater Brühl nennt, wird 1974 Marc Camolettis Schwank Hier sind Sie richtig zur Aufführung gebracht. Schon früh bläst den Thespisjüngern und -jüngerinnen aus Leidenschaft der scharfe Wind der Kritikerzunft ins Gesicht: So “freut” sich der Rezensent einer Tageszeitung anlässlich eines Gastspiels über den “liebenswürdigen Dilletantismus” der Amateure, zahlreiche “linkische Gesten”, sowie den “singenden rheinischen Tonfall”.

Glücklicherweise lässt sich die Gruppe von derlei Meinungsäußerungen nicht beirren lassen und wagt 1976 den Schritt auf musikalisches Terrain: Mit der Revue Die tollen Zwanziger beginnt für das Kleine Theater eine ausgedehnte Gastspieltätigkeit mit Aufführungen im Theater Kefka (Köln), in Wien und bei den Göppinger Theatertagen. Ein Kritiker der Kölnischen Rundschau staunt: “Aus dem hässlichen Entlein wurde ein herrlich verrückter, bunter Papagei.”1977_guernica_00.jpg

Nachdem man nun im Bereich der Unterhaltung einige Erfahrungen sammeln konnte, wollte man sich neuen Herausforderungen stellen und nahm schließlich Fernando Arrabals ans surrealistisch-absurde grenzende Einakter Guernica / Picnic im Felde in Angriff (Premiere: 12.11.1977).

1979_prairie_00.jpgDie Rückkehr zur musikalischen Produktion 1979 mit dem Western-Musical Prairie-Saloon von Lothar Olias und Heinz Wunderlich bedeutete jedoch keineswegs eine Rückkehr zur stromlinienförmigen Unterhaltung. Vielmehr wurden auch hier für damalige Verhältnisse ganz heiße Eisen angepackt. Diesen Eindruck muss man jedenfalls bekommen, orientiert man sich an einem erbosten Leser des Brühler Schlossboten, der die Inszenierung mit den Worten lobt: “Endlich mal einer, der im Jahr des Kindes für mörderischen Klamauk ist, für das Zeigen von Schießen und Killen, Hängen und Ersäufen.” Ernsthafte juristische Konsequenzen ergeben sich für das Theater allerdings nicht: Die Produktion wird auch im Rahmen des Familiengerichtstages gezeigt.

Fand die bisherige Arbeit des Ensembles noch in der Aula der Clemens-August-Schule statt, so lässt der wachsende Produktionsaufwand die Abstimmung mit Schulverwaltung und Hausmeister 1980 immer komplizierter werden. Die Probenaktivitäten für Slawomir Mrozeks Einakter Racket Baby und Auf hoher See, die letzte Inszenierung Günter Heffts beim Kleinen Theater, werden daher in Räumlichkeiten der VHS verlegt.

1981 übernimmt Ulrich Zettler, VHS-Leiter und Gründungsmitglied des Theaters, die Regiearbeit. Unter seiner Leitung werden Peter Shaffers Komödie im Dunkeln und Match von Michel Fermaud inszeniert. Auf ein Gastspiel des Loft Theatres aus Brühls Partnerstadt Royal Leamington Spa folgt ein Gegenbesuch des Kleinen Theaters in England.

Zwei erfolgreiche musikalische Produktionen haben das KTB auf den Geschmack gebracht, und so folgt 1983 die Operettenparodie Orpheus in der Unterwelt von Werner Finck: eine Produktion, die mit insgesamt 30 Vorstellungen einschließlich zahlreicher Gastspiele zu den erfolgreichsten des Kleinen Theaters avanciert, und mit der die Gruppe zum ersten Mal in der neu errichteten Galerie am Schloss auftritt. Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens veranstaltet das KTB im Informationszentrum der Stadt Brühl eine Jubiläumsausstellung: Die Gruppe kann mittlerweile auf 117 Aufführungen in 25 Städten zurückblicken.Die erfolgreiche Arbeit wird auch von der überregionalen Presse zur Kenntnis genommen. So meint die Welt anlässlich eines Rückblicks auf die Göppinger Theatertage: “Hefft-Schüler Günter (sic) Zettler setzt Maßstäbe.”

Auch die 1984 folgende Revue Ganz ohne Weiber … mit Chansons aus den 1920er Jahren entwickelt sich zu einem Renner, wird auf Festivals in Belgien, Paderborn und Göppingen gezeigt, wo das Kleine Theater mittlerweile Stammgast geworden ist.

Das Jahr 1985 bringt der Gruppe einige bedeutende Veränderungen: Ein allmählicher Abnabelungsprozess von der VHS wird mit der Gründung eines eingetragenen Vereins abgeschlossen. Für die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre wird das KTB mit dem Kulturpreis des Erftkreises ausgezeichnet. Auf die beiden musikalischen Produktionen der Vorjahre folgen 1985 und 1986 zwei zu dieser Zeit auf Profibühnen viel gespielte Stücke: Der Kontrabass von Patrick Süskind und Was wird hier gespielt von Michael Frayn, besser bekannt unter dem Titel Der nackte Wahnsinn. Die Neue Westfälische lobt die Aufführung bei den Internationalen Paderborner Amateurtheatertagen: “Viel gewagt – eindeutig gewonnen.”

Nach intensiver Gastspieltätigkeit mit den vorgenannten Produktionen inszeniert das KTB 1987 ein exotisches Stück Theaterliteratur, Genoveva oder Die weiße Hirschkuh von Julie Schrader. Auch im Dialog, der Verbandszeitschrift des Landesverbandes der Amateurtheater NRW, staunt man nicht schlecht: “Also, diese Leute müssen die Socken auf der Nase tragen oder mit karierten Stiefeln an den Händen herumlaufen! Wer ein solches Stück inszeniert und dann sogar noch zur Aufführung bringt – der beweist Kreativität!”

Mit der Inszenierung einer eigenen Übersetzung von Jean Baptiste Molières Komödie Der eingebildete Kranke wendet sich das Ensemble 1988 zum ersten Mal einem “klassischen” Text zu. Dabei wird dem barocken Charakter des Stücks durch Ballettszenen (Aua-Ballett, Klistierballett) Rechnung getragen. Für die tänzerische Eleganz der Truppe zeichnet die Choreographin Carole Schmitt verantwortlich.

Mit Edward Albees Seeskapade gibt Kathy Schroers 1989 ihr Regiedebüt beim Kleinen Theater. Auf Einladung des Loft Theatres wird Was wird hier gespielt in Royal Leamington Spa gezeigt. Die Ankündigung der Gastgeber, “played in German, this comedy is even funnier than the English original,” wird vom Ensemble wohlwollend als Lob aufgefasst. Der Leamington Courier jedenfalls freut sich: “The company saved the evening by the sheer gusto with which they tackled the play.”

Zum 13. Mal wird das Ensemble 1990 zu den Göppinger Theatertagen eingeladen, wo es Paul Pörtners Scherenschnitt, einen Bühnenkrimi mit Zuschauerbeteiligung, zeigt. Entgegen allen Befürchtungen bringt diese Einladung dem Verein kein Unglück: Das KTB erhält den mit DM 5.000,- dotierten Förderpreis des Landkreises Göppingen. Auf einer ausgedehnten Gastspielreise wird Der eingebildete Kranke in Donzdorf (BaWü), Bozen und Brixen (Südtirol) gezeigt.

Während der Probenarbeiten zur Revue Die falschen Fuffziger wird im Frühjahr 1991 ein erneuter Umzug notwendig: Die Schulpavillons am Max-Ernst-Gymnasium, die seit 1988 von der Gruppe genutzt wurden, sollen abgerissen werden. Die Stadt stellt dem Verein Räume in der Hauptschule Mühlenbach zur Verfügung, die jedoch ebenfalls kurz nach der Premiere wieder abgetreten werden müssen. Für mehr als ein Jahr ist das KTB “obdachlos”, die Vorbereitung einer neuen Produktion ist unrealisierbar geworden. Der Rest des Jahres wird mit Gastspielen ausgefüllt, parallel wird in Zusammenarbeit mit der Stadt nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht

Die Bemühungen um eine neue angemessene Unterkunft gehen auch 1992 noch weiter. Im Rahmen des Brühler Karnevalsumzuges machen die Vereinsmitglieder ebenso auf ihre schwierige Situation aufmerksam wie durch Unterschriftensammlungen in der Innenstadt. Die schwierige Lage setzt einiges an kreativem Potential frei. Durch die freundliche Unterstützung der Schlossverwaltung gelingt die Veröffentlichung einer Zeitungs”ente” am 1. April: Neue Probenräume seien endlich gefunden, Stadt und Land hätten sich bereit erklärt, dem Theater das Jagdschloss Falkenlust zu überlassen. Lediglich der Einbau eines Lastenaufzugs für die Kulissen müsse noch abgesegnet werden – Schloss Falkenlust gehört zusammen mit Schloss Augustusburg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Sommer ist es endlich soweit: Die Stadt überlässt dem Kleinen Theater ehemalige Ausstellungsräume eines Möbelhauses, die zweckdienlich in Eigenleistung umgebaut werden.

1993: Mirandolina, sehr frei nach Carlo Goldoni und wieder in eigener Übersetzung, ist die erste Produktion, die das KTB in seinem neuen Domizil an der Uhlstraße einstudiert. Die Inszenierung verwandelt die Galerie am Schloss in Mirandolinas Wirtshaus, das Publikum kann sich während der Vorstellung an Wein, Käse und Oliven laben. Im Rahmen einer Ausstellung in der Rathausgalerie lädt der Verein die Brühler Bürger zu einem gemeinsamen Rückblick auf seine nunmehr zwanzigjährige kulturelle Arbeit ein.

Hatte der dramaturgische Schwerpunkt des Theaters in den letzten Jahren noch im Bereich der unterhaltsamen Kammerstücke und Revuen gelegen, so wird bei einem Großteil der Gruppe 1994 der Wunsch laut, sich an etwas ganz Neuem zu versuchen. Unter der Leitung von Gisela Olroth-Hackenbroich, Schauspiellehrerin am Kölner Theater Der Keller, wird Gabriel Garcia Lorcas Frauentragödie Bernarda Albas Haus vorbereitet, die im Mai Premiere hat. Im Oktober wird Butterbrot, ein Drei-Mann-Stück von Gabriel Barilly unter der Regie von Andreas Schlenger gezeigt. Diese Produktion entwickelt sich zum Dauerbrenner und wird damit zum bislang längstgespielten Stück des KTB.

Mit Noel Cowards Ich bin begeistert kehrt das Kleine Theater, diesmal unter der Regie von Micka Berboth, 1996 zum Genre “Komödie” zurück.

Zurück in Deutschland von einem achtmonatigen Englandaufenthalt erfüllt sich Andreas Schlenger 1997 einen lang gehegten Traum und inszeniert Shakespeares Zwölfte Nacht oder Was Ihr Wollt. Der bisherigen Tradition folgend wird auch für diese Produktion eine eigene Übersetzung angefertigt.

1998 wird das Kleine Theater Brühl 25 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums greift man auf Textmaterial der bisherigen Produktionen zurück, nimmt die ersten und letzten Sätze der inszenierten Stücke und improvisiert eine verrückte Folge bunter, witziger, absurder, frecher Szenen. Ein Novum: Die Regieverantwortung liegt weitestgehend bei allen Darstellern. Zusammen mit John Bowens Einakter Silberhochzeit wird das Ergebnis unter dem Titel 48 Sätze und ein Stück dem Brühler Publikum vorgestellt.

Angesichts des bevorstehenden Jahrtausendwechsels war es naheliegend, sich in einer neuen Produktion des allgegenwärtigen Themas “Zukunftsvisionen” anzunehmen. Nicht zuletzt deshalb entschloss man sich 1999, Alan Ayckbourns futuristisch-düstere Techno-Komödie Ab jetzt unter der Regie von Micka Berboth und Axel Gehring aufzuführen.

2000 zeigen Axel Gehring, Andreas Schlenger und Tarik Bayraktutar mit Salzwasser von Conor McPherson, dass reines Erzählen auf der Bühne genauso actionreich sein kann wie rasante Szenenwechsel! Im Herbst des gleichen Jahres erweitern wir unser Repertoire um zwei Dada-Stücke. Mit Leitfaden von Max Ernst und Wisch und Furm – mit Texten von Max Ernst und Gleichgesinnten – können wir auch ein etwas “anderes” Publikum erreichen.

Beate Beier und Ingo Rehling liefern sich 2001 unter der Regie von Micka Berboth in dem Stück Doppelfehler einen ebenso hitzigen wie pointenreichen Geschlechterkampf. Drum prüfe, wer sich einmal, zweimal …. bindet! Mit Texten rund um den Herbst und um den Tag der Einheit entdecken wir unter dem Motto “Theaterherbst” das Genre des Vorlesens für uns und unser Publikum.

Mit Theresia Walsers sehr, sehr, SEHR böser Komödie King Kongs Töchter führen wir unser Publikum weg von der “heilen Welt” und schicken sie in eine beklemmende und gnadenlose Gefühlsachterbahn rund um´s Älterwerden.

Im Herbst 2002 sammeln wir ganz neue Erfahrungen. Sollst je du sollst du Schwänin auf dem Ozean ist eine Welturaufführung. Ute Remus, die Verfasserin des Stückes, übernimmt selbst die Rolle der Lou Straus, der ersten Frau von Max Ernst.

Viele Noten werden geschmettert, viele Stimmen geölt, bis 2003 im Sängerkrieg der Heidehasen Häschen aller Altersstufen und Gesellschaftsschichten im richtigen Takt durch die Galerie hoppeln. Dieses Kindermusical von James Krüss und Christian Bruhn sorgt nicht nur bei unseren jungen Zuschauern für den richtigen Rhythmus.

Im Superwahljahr 2004 wird in dem Musical Der letzte Wähler auf teilweise sehr schrille Art die Moral des Wählens in Frage gestellt. Ebenfalls 2004 spielen wir den temperamentvollen Einakter Dinner for five, der den Akteuren genauso viel Spaß macht wie den Zuschauern.

Im Mai 2005 taucht und mordet sich das Kleine Theater Brühl unter der Gastregie von Wolfram Zimmermann mit der schrillen Komödie Fisch zu viert in die Herzen der Zuschauer.
Charlie Brown und seine Freunde tanzen, singen, jaulen, spielen und streiten sich im Erfolgsmusical Du bist in Ordnung, Charlie Brown, das im September 2005 temperamentvoll über die Bühne geht.

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