Ich bin begeistert

von Noel Coward

Leider gehört diese Produktion zu den älteren Arbeiten des KTB, für die uns keine vollständigen Aufführungs- und Besetzungsdaten mehr vorliegen. Stattdessen finden Sie an dieser Stelle einen Text, der für das Programmheft anlässlich unseres Silberjubiläums 1998 geschrieben wurde.

“So ist’s recht, Edith – es fehlt nur noch der Eiskühler.”

Mit diesem Satz begann das Stück, in dem ich meinen ersten, wenn auch sehr bescheidenen, Auftritt hatte. Warum habe ich nur “ja” gesagt, als man mich fragte, ob ich nicht die Zweitbesetzung des Dr. Bradman übernehmen könnte. Zunächst dachte ich, so schlimm wird die ganze Aktion wohl nicht werden, da ich nur als Ersatz von Horst, dem eigentlichen Dr. Bradman, vorgesehen war. Deshalb verschwendete ich zu Probenbeginn noch keinen Gedanken an einen Bühnenauftritt. Je näher jedoch der Tag der Premiere rückte, umso deutlicher wurde mir gesagt, dass meine Probenarbeit nicht umsonst sein sollte. Von sieben Aufführungstagen wurden mir drei Auftritte zugedacht. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Nach erfolgreicher Premiere am Samstag und einer weiteren Aufführung am Sonntag folgte am Dienstag eine “Premiere” der ganz besonderen Art, nämlich meine. Ich sollte zum ersten Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die vorher erlernten Sätze, gepaart mit den entsprechenden Gesten, deutlich, klar und ohne Hilfestellung zum Besten geben. An diesen Dienstag kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Nachdem ich während des ganzen Tages meine Arbeitskollegen mit meinen Szenensätzen genervt hatte, überkam mich gegen Abend eine nicht einzuordnende Ruhe, ja sogar ein Gefühl der Gelassenheit. Irgendwie wird es gehen, dachte ich mir. Auch nachdem ich mich in meine nicht gerade schöne und schon gar nicht passende Garderobe gepresst hatte, fast alle anderen Mitspieler schon leichte Nervositätsanzeichen zeigten, blieb ich noch einigermaßen ruhig. Erst als sich die Schauspielercrew hinter der Bühne versammelte, um für die ersten Szenen parat zu stehen, hatte ich ein Gefühl in der Magengegend, als ob sich eine Ameisenarmee zum Kampf gegen die Welt rüstete. Die ersten 5 Minuten durfte ich, geschützt vor den Blicken der Zuschauer, hinter dem Bühnenbild verbringen. Dann kam der Moment, auf den ich überhaupt nicht wartete. Aufmunternde Blicke der Mitspieler begleiteten mich zur Tür, durch die ich mit Frau Dr. Bradman, übrigens auch im realen Leben meine Ehefrau, auf die Bühne gehen sollte. Unser Stichwort fiel und wir öffneten die Tür. Angestrahlt von gleißendem Scheinwerferlicht sagte ich meine ersten Sätze und wechselte, entsprechend der Regieanweisungen meinen Standort. Frontal zum Publikum stehend wurde mir erst jetzt klar, dass unterhalb der Bühne ca. 200 Menschen saßen, die eine schöne Aufführung eines Theaterstückes sehen wollten. Warum musste ausgerechnet ich dann auf der Bühne stehen?

Meine Selbstzweifel wurden immer größer, als Kalle mir plötzlich ein mit Apfelsaft gefülltes Glas reichte, welches ich auch noch leeren sollte. Damit mein Zittern nicht so sehr auffiel, musste ich beide Hände zur Hilfe nehmen, um das Glas zum Mund zu führen. Erst kurze Zeit später legte sich meine Nervosität ein bisschen und ich war zufrieden, dass ich meine gelernten Sätze an den richtigen Stellen angebracht hatte. Nach ca. 15, z. T. nicht vielsagenden, Minuten auf der Bühne durfte ich diese vorerst verlassen. Bis zum nächsten Szenenauftritt hatte ich 1 Stunde Pause, die ich zur Erholung allerdings auch benötigte. Nachdem ich meine Szene im dritten und letzten Akt einigermaßen zufriedenstellend gebracht hatte, stand ich in meiner völlig durchgeschwitzten Bekleidung in den Katakomben der Galerie am Schloss. Es war geschafft, mein erster Auftritt als Schauspieler. Der Applaus des Publikums sowie der mir überreichte Blumenstrauß entschädigten mich ein wenig für den Stress dieses Abends. Noch zwei Vorstellungen, dann habe ich alles hinter mir, sagte ich mir damals.

An diesem Abend habe ich mir geschworen, bei weiteren Stücken des “Kleinen Theaters Brühl” wieder aktiv mitzuwirken. Allerdings nur in den Bereichen, wo ich nicht im Rampenlicht stehe und die mehr oder weniger schon im Vorfeld abgelaufen sind, wie z.B. Bühnenbau und administrative Aufgaben.

In diesem Sinne:

“Lebt wohl ihr Lieben. Good bye.”

 

Titel der Produktion:  Ich bin begeistert
Regie:   Micka Berboth
Regieassistenz:
Darsteller:
Musik:
Kostüme und Requisiten:
Bühnenbild:
Plakat und Programm:
Maske:
Beleuchtung:
Tontechnik:
Premiere:  1996

 

 

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