Die falschen Fuffziger

Eine Revue

Leider gehört diese Produktion zu den älteren Arbeiten des KTB, für die uns keine vollständigen Aufführungs- und Besetzungsdaten mehr vorliegen. Stattdessen finden Sie an dieser Stelle einen Text, der für das Programmheft anlässlich unseres Silberjubiläums 1998 geschrieben wurde.

 “Die Straßen haben Einsamkeitsgefühle.”

– und ich erst!

Bis jetzt konnte ich meinen Text immer super auswendig. In der Generalprobe hatte ich einen Hänger. Ich wusste nicht weiter. Ich saß auf dem Barhocker, starrte in den halbbestuhlten Galeriesaal und merkte, wie mir langsam schlecht wurde. Ziemlich blöd, in der Generalprobe einen Hänger zu haben. Ein helfendes Stichwort kam nicht, von wem auch? Ich war mit meinem Solo allein auf der Bühne!! Michael spielte auf der Gitarre weiter, Jesi wiederholte die Strophe immer wieder von vorne auf dem Klavier. Er nickte mir jeweils zu Beginn der Strophe zu, um mir zu signalisieren: “So, jetzt setz wieder ein!” – aber wie denn?? Ich hatte meinen Text einfach vergessen!!!!!!!! Es war ein schrecklicher Moment, einer der schrecklichsten in meinem Leben. Ich fühlte mich so nackt (hatte immerhin Strapse und eine Korsage mit einem durchsichtigen Morgenmantel darüber an; Schuhe, in denen ich die Zehen krümmen musste, weil sie viel zu klein waren; eine schwarze Perücke und um den Hals eine Poliacryl-Federboa, die ich mir am liebsten vor die Augen gehalten hätte, um mich dahinter zu verstecken).

Nach der Generalprobe fuhr ich irgendwann nachts, völlig aufgelöst, nach Hause. Während der Fahrt sagte ich meinen Text immer wieder auf und heulte dabei dicke Krokodilstränen. An Schlaf war überhaupt nicht zu denken – egal, die Theaterschminke würde am nächsten Tag meine Tränensäcke überdecken …. Nur diesen Text sagte ich auf, endlos!!! Jetzt konnte ich nicht mehr zurück, zählte die Stunden bis zur Premiere und heulte weiter. Morgen muss ich wieder auf der Bühne stehen, mit meinem Barhocker und weiter nichts als meinem Barhocker ……

Die Premiere begann, die ersten Nummern wurden von den Zuschauern heftig beklatscht und mein Auftritt, der “Nowak”, rückte immer näher. Ändy stellte oben schon den Barhocker zurecht, als unten in der Garderobe meine Strapse nicht hielten und die Korsage wegen meines Zittern nicht zu schließen war. Der Applaus des Liedes vor mir ebbte ab, ich musste hoch. Halboffen klammerte ich mich an den Barhocker, das Mikro zitterte in meinen Händen, ebenso meine Beine, ganz zu schweigen von meiner Stimme!! Vor Panik drückte ich das Mikro fest an meine Lippen, um eine rauchige Stimme zu bekommen, seitdem ziert es mein roter Kußmund von damals. Ich ging langsam “lasziv” zur ersten Gasse und erblickte Ulli, den Regisseur, der mit meinem Text in der Hand wedelte. Ab diesem Moment fühlte ich mich mit einem Mal sicher und blieb während des Songs fehlerlos ….. der Nowak ließ mich eben nicht verkommen. Ich rieb, wie die Regieanweisung es mir befahl, lüstern über die Plastiksitzfläche (“Mensch, nimm den Hocker in die Hand und lass die Finger gespreizt darüber kreisen, – das ist Erotik”) und röhrte meinen Song. Nachdem ich die Bühne verlassen hatte, wischte ich mir den Schweiß von der Stirn und war erleichtert.

Bei jeder Vorstellung danach stand mein Regisseur in der ersten Gasse und nie mehr habe ich einen Fehler gemacht (nun gut, beim Familiengerichtstag habe ich 2x die gleiche Strophe gesungen, aber keiner hatte es bemerkt….).

Ich glaube am Ende einer jeden Vorstellung war ich diejenige, die am lautesten beim Abschlusslied mitgesungen hat:

“Ciao, ciao bambina, auf Wiedersehn!!!!!!!!! “

 

Titel der Produktion:
Regie:
Regieassistenz:
Darsteller:
Musik:
Kostüme und Requisiten:
Bühnenbild:
Plakat und Programm:
Maske:
Beleuchtung:
Tontechnik:
Premiere:

 

 

 

Menü schließen