Scherenschnitt

von Paul Pörtner

Leider gehört diese Produktion zu den älteren Arbeiten des KTB, für die uns keine vollständigen Aufführungs- und Besetzungsdaten mehr vorliegen. Stattdessen finden Sie an dieser Stelle einen Text, der für das Programmheft anlässlich unseres Silberjubiläums 1998 geschrieben wurde.

 “Der nächste Herr, bitte.”

So beginnt die kleine Kriminalkomödie, für die ich zum ersten Mal für Bühnen- und Kostümgestaltung zuständig sein sollte. Sechs Personen, eine Dekoration; die Handlung spielt in der Gegenwart – das sollte gut zu schaffen sein.

Nachdem sich der Bühnenaufbau aus den Regieanweisungen und den logischen Gegebenheiten ableitete und Uli mit glücklicher Hand die notwendigen Accessoires für einen altmodischen Provinz-Friseursalon kaufen konnte, musste alles so zusammengefügt werden, dass die Zuschauer als Hauptzeugen für den kommenden Mordfall das Geschehen gut beobachten konnten. Alles sollte offen und selbstverständlich auf der Bühne zu finden sein, ohne zu stören und dennoch gut aussehen. Nach etwas hin und her fanden wir eine gute Lösung mit offenen 60er-Jahre Möbeln. Fehlte nur noch die Tapeten – und Wandgestaltung. Uli hatte im Baumarkt eine eindeutig geschmacklose Tapete gesehen ( “…die ist irgendwie braun und so richtig schön daneben”), die ich dann bei Gefallen kaufen sollte. Ich fand die Sache auch eindeutig, und so kamen wir zu einer von den anderen ebenfalls als geschmacklos bezeichneten Efeutapete, deren Reste heute meinen Flur zieren.

Bei den Kostümen gab es auch immer wieder verschiedene Auffassungen, was sicherlich damit zusammenhängt, daß jeder andere Vorbilder für die Rollen im Bekanntenkreis fand. Wie soll man also einem sensiblen, kultivierten Musiker klarmachen, dass er sich im Kostüm  eines schmierigen Antiquitätenhändlers und potentiellen Mörders nur schwerlich wohlfühlen kann; und wie vermittelt man einer engagierten Schuhverkäuferin, dass man für eben diesen Musiker Schuhe möchte, die eigentlich schön, aber irgendwie auch halbseiden sind. Dass ich Jesi gern zum Friseur geschickt hätte, steht hierbei auf einem anderen Blatt … Auch Hannelore meinte zu ihrem eleganten Couture- Modell, dass sie so ein Kleid ja niemals kaufen würde und auch nur widerwillig trage, zumal ihr Lila ja überhaupt nicht stände. Am Ende sah sie aber doch ganz gut aus. Um so überraschender war, wie schnell sich die anständige Förstertochter Elli in den Look der stark vulgären Friseuse hineinfand und so zum “blonden Gift” mutierte.

Bei den Endproben in der Galerie ist dann alles zusammen (bei späteren Produktionen sollte das noch ganz anders werden), und wir hatten noch Zeit, uns um spezielle Türbeschläge, Beschriftung des Geschäftsfensters und andere kleine Details zu kümmern; überhaupt – im Bühnenlicht sieht alles viel zu neu und propper aus, hier musste noch einiges “gefaked” werden. So, wie der Ausgang des Stückes immer wieder ein anderer war, gab es auch für mich bei jedem Mal Neues zu sehen. So war ich zum Beispiel begeistert über das farbliche Zusammenspiel von Frau Wundhammers Kleid, dem türkisen Friseurumhang und dem giftgrünen Einband des Lesezirkels, das natürlich so nicht geplant war.

Insgesamt waren dann aber alle zufrieden, als es schließlich hieß:

“Gute Nacht und kommen Sie gut nach Hause.”

 

Titel der Produktion:
Regie:
Regieassistenz:
Darsteller:
Musik:
Kostüme und Requisiten:
Bühnenbild:
Plakat und Programm:
Maske:
Beleuchtung:
Tontechnik:
Premiere:

 

 

 

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