“Drei und zwei sind fünf, plus fünf macht zehn und zehn dazu gleich zwanzig.” – Bereits zu Molières Zeiten – das heißt: vor immerhin etwa 350 Jahren! – lagen Medizin und Mathematik eng beieinander: Wer krank war (oder sich dafür hielt) tat gut daran, sparsam zu leben, denn oft ging auch der letzte Groschen an Kurpfuscher und Quacksalber, sprich: Ärzte und Apotheker. Und wenn’s ganz arg kommt, verschachert man auch schon mal die eigene Tochter an einen leicht debilen Doktor, der dann allerdings als Familienmitglied für das vermeintliche Wohlbefinden sorgen darf.

Als sich das Kleine Theater mit der Komödie “Der eingebildete Kranke” 1988 zum ersten Mal an ein Werk aus dem klassischen Kanon wagte, war es allerdings nicht der “kranke” Argan (gespielt von Kalle Pchalek), der die Aufführung einzählte – obwohl ihm die oben zitierten ersten Zeilen zufielen. Ganz in der Tradition des Barocktheaters wurde unsere Inszenierung eingeleitet (und zwischen den Akten unterbrochen) durch eine Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern, deren Darbietungen die jeweils folgende Handlung unter dem Motto “Brecht meets Barock” gewissermaßen vorwegnahmen. Begleitet von einem petit orchestre unter der Leitung von Joachim M. Jezewski und hart gedrillt von Carole Schmitt als Choreographin waren die einzelnen Einlagen einstudiert worden, die dann schließlich unter so aussagekräftigen Titeln wie “Aua-Ballett” oder “Klistier-Ballett” für muntere Auflockerung einer munteren Inszenierung sorgten.

Aber nicht nur die adäquat-verfremdenden Tanzeinlagen waren es, die so manchen frankophilen Barockkenner haben stutzen lassen: Der “Molli” – wie das Stück gruppenintern liebevoll getauft wurde – war auch unsere erste Produktion mit einer eigenen Übersetzung, eine Tradition, die wir später mit “Mirandolina” und “Zwölfte Nacht” fortsetzen sollten. Zwar wurde dabei so manches leicht angestaubte bon mot ziemlich frech und frei ins 20. Jahrhundert gedroschen, dem Grundtenor der Vorlage wurde jedoch gefolgt, sodass der Vorwurf eines (schlecht vorbereiteten) Zeitungskritikers leicht widerlegt werden kann, der Argans Tiraden gegen das Lästermaul Molière für eine postmoderne Spielerei unserer Übersetzung gehalten hatte: Tatsächlich war es Molière selbst, der seinen Protagonisten gegen sich lästern ließ.

“Der eingebildete Kranke” kann sicherlich als eins der ganz großen Highlights im Repertoire des KTB angesehen werden: Drei Jahre ist diese Produktion im Programm geblieben, und hat uns neben zwei ausverkauften Spielwochen in Brühl und euphorischen Kritiken nach der Teilnahme an den Amateurtheaterfestivals in Göppingen und Paderborn auch auf eine Gastspieltour nach Süddeutschland und Tirol geführt: “Das will ich sehen!”

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