“Das war ich, bzw. wir, die Bässe.”

Da nach diesem Einleitungssatz zu Patrick Süskinds “Der Kontrabass” noch etwa 90 Minuten folgten, in denen der Darsteller des Kontrabassisten auf sich allein gestellt war, gab es bei dieser Produktion vorsichtshalber gleich 2 Souffleure: Eine für das KTB außerordentlich ungewöhnliche Situation, denn normalerweise wurde auf einen Souffleur völlig verzichtet. Man vertraute darauf, dass bei Texthängern schon irgendeiner der Mitspieler eine Idee haben würde, wie die Textlücke gefüllt oder die Situation auf andere Weise gerettet werden könnte. Aber was macht ein Solodarsteller in so einem Fall? Er vertraut entweder sein Schicksal dem oder den Souffleuren an oder er entwickelt ein eigenes Verfahren, das ihm erlaubt, sich immer selbst aus der Schlinge zu ziehen.

Dieses Verfahren basiert darauf, sich einerseits nicht sklavisch an den vom Autor vorgegebenen Text zu halten, andererseits aber immer zu wissen, wo im Stück man sich gerade befindet. Das ermöglicht einem, zu jeder Situation zu sagen, was man zu sagen hat, zumindest aber, etwas zu sagen was man in einer solchen Situation zutreffend bemerken könnte. Und wenn man darüber hinaus weiß, was man alles mit dem Stück dem Publikum vermiiteln möchte, dann geht auch nichts schief, wenn man mal die Reihenfolge der Szenen oder Themen vertauscht: Ein Verfahren, das für den Darsteller des Kontrabassisten sehr beruhigend war, denn im Prinzip konnte damit nichts schiefgehen, weil ja eben immer noch die beiden Souffleure da waren, die allergrößten Notfall einschreiten konnten.

Glücklicherweise ist in den 17 Vorstellungen mit diesem Stück ein Super-GAU, der das Einschreiten der Souffleure erforderlich gemacht hätte, niemals eingetreten. Denn das vom Kontrabassisten entwickelte Selbsthilfeverfahren führte mehr als einmal dazu, dass beiden Souffleuren schwindelig wurde, weil sie nicht wussten, an welcher Textstelle man sich in etwa gerade befand. An ein sinnvolles Eingreifen im Falle plötzlicher Sprachlosigkeit des Darstellers wäre kaum zu denken gewesen.

Daher war ihre Erleichterung nach 90 Minuten Spielzeit oft größer als die des Darstellers, wenn nach vollbrachtem Werk der (immer im Original gebrachte) Schlußsatz erklang:

“Ich geh jetzt in die Oper und schrei, wenn ich mich trau, Sie können`s ja dann später in der Zeitung lesen.”

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