“Meine Damen und Herren, wir stehen im Begriff, Ihnen einen Einblick in die Hölle menschlicher Leidenschaften zu gewähren!”  Was wie die Ankündigung zu “Peep Super Spezial” oder “Wahre Liebe Extra” klingt, war die erste öffentliche Äußerung des Kleinen Theaters Brühl (damals noch: Amateurtheater der VHS Rhein-Erft) auf der Bühne. Für DM 2.- (ermäßigt DM 1.–) konnten sich 1973 etwa 200 Zuschauer in Brühl und eine nicht nennenswerte Anzahl von Zuschauern in Brauweiler anschauen, was die frisch gegründete Truppe inszeniert hatte: Es handelte sich um 5 Szenen von Ephraim Kishon, von denen die erste, “Trau nicht, schau nicht wem” mit eben jenem Satz begann.

Wer Kishon kennt, weiß, dass es bei ihm eher brav zugeht. Dennoch entwickelten sich einige Mitspieler bei ihrem Drang, die Rollen möglichst intensiv und realistisch auszufüllen, zu wahren “Voll-Blut -Schauspielern”. Am Ende des ersten Einakters war die Erleichterung des einen Protagonisten über das Vollbrachte so groß, dass sich der laut Rolle vorgesehene Klaps auf die Schulter seiner Partnerin zu einem mittelschweren Hieb in ihren Nacken entwickelte. Was bei ihr wiederum eine spontane Verägerung auslöste, die sie zu einer kurzen, trockenen Attacke auf sein Allerheiligstes veranlasste.

Alle konnten letztlich unverletzt weiterspielen und so Gelegenheit für das nächste Attentat schaffen. In “Anästhesie” stand ein Patient im Mittelpunkt, der aufgrund eines verwechselten Narkosemittels nicht eingeschläfert werden konnte. Die Anästhesieassistentin, die bei den Proben noch mit Wasser gearbeitet hatte, überraschte bei der Premiere mit dem Einsatz von Brennspiritus auf die Norkosemaske und die darunter gefangene Nase des Patienten. Unter Einsatz aller Kräfte wurde auch dieser und die noch folgenden Einakter über die Bühne gebracht und der Entschluss gefasst, trotz aller Widrigkeiten, die einem dabei begegnen können, das gemeisame Theaterspielen noch nicht aufzugeben, getreu dem Schlusssatz aus Anästhesie: “Wir haben die Herausforderung angenommen und werden sie erfüllen, auch wenn wir dabei der größten Opfer entsagen müssen.”

Menü schließen